• Spannungsfeld Fußgängerzone

    Standorttag 2013 - 14. Mai 2013

Noch in diesem Jahr soll auf der Mariahilfer Straße eine Fußgängerzone mit verkehrsberuhigten Abschnitten umgesetzt werden das Vorhaben sorgt schon seit Jahren für Kontroversen. Zur Diskussion der unterschiedlichen Positionen von Handel und Politik lud der Handelsverband am 14. Mai. Thema: Spannungsfeld Fußgängerzone. Nach einer turbulenten Diskussion kann es überraschend zu einer Vereinbarung zwischen Handelsvertretern und dem Bezirksvorsteher von Wien-Neubau: Gemeinsam sollen Kriterien für die Bewertung des Testbetriebs im kommenden Sommer vereinbart werden. 

Im Anschluss an den inhaltlichen Teil bot ein Cocktailempfang die Gelegenheit zum informellen Austausch und Networking. Diese nutzten unter anderem Marcel Braun (Peek & Cloppenburg KG), Adolf Brenner (Club der Unternehmer der Mariahilfer Straße), Alexander Frech (Österreichische Post AG), Christian Hahn (Vögele Shoes GmbH), Andreas Hammerl (Palmers Textil AG), Martin Kowatsch (Das Futterhaus Hhismark Pet Leo GmbH & Co KG), Richard Lugner (Lugner Einkaufszentrum Bauträger-, Betriebs- und Werbe GmbH) und Robert Nagele (Billa AG). Herbert Asamer von Die Presse Digital GmbH & Co KG moderierte die Veranstaltung.

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Sprecher

Herbert Asamer

Redakteur Wirtschaft, „Die Presse“ Digital GmbH & Co KG, Wien 
Herbert Asamer ist seit 2011 Online-Redakteur im Wirtschaftsressort von DiePresse.com. In seiner Serie „Handel im Wandel“ schreibt er regelmäßig über aktuelle Aspekte und Themen des Einzelhandels. Zuvor war der Jurist über25 Jahre lang in führender Position im Handel tätig.

Nachbericht

Experten aus Verkehrsplanung, Politik und Handel diskutierten am 14. Mai im Handelsverband darüber, welche Vor- und Nachteile Fußgängerzonen für den Handel bringen und was ein derartiger Eingriff bedeutet. Aktueller Anlass: die FuZo-Pläne für die Mariahilfer Straße. Viele der Mitglieder des Handelsverbands beschäftigt das Thema Fußgängerzone in der Mariahilfer Straße enorm, da manche Unternehmer selbst betroffen sind. Sie wünschen sich umfassende Informationen und Lösungsvorschläge. Um diesem Wunsch nachzukommen, haben wir dieses Thema für unsere diesjährige Tagung gewählt, so Stephan Mayer-Heinisch, Präsident des Handelsverbands. Nach drei Fachvorträgen aus der Standort- und Raumplanung brachte die Podiumsdiskussion zwischen Handel, Interessenvertretung und Politik eine überraschende Zusage: Thomas Blimlinger, Bezirksvorsteher des 7. Wiener Gemeindebezirks, ist bereit, gemeinsam mit Handelsvertretern vorab einen Kriterienkatalog für die Bewertung des Testbetriebs zu erstellen, der Mitte August in der MaHü starten soll. 

Handel: Mariahilfer Straße braucht Konzept 
Der Handel ist innovativen Lösungen für die Mariahilfer Straße auch unter Einbeziehung von verkehrsberuhigten Zonen nicht grundsätzlich abgeneigt, wie die Podiumsdiskussion zeigte. Was fehlt, so waren sich Brigitte Jank, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien, Gerngross-Manager Günther Meier und C&A-Geschäftsführer Norbert Scheele einig, ist aber eine geordnete Einbindung der Händler, die an der wichtigsten Einkaufsstraße Österreichs ansässig sind: So forderten die Händler neben klaren Bewertungskriterien auch ein konkretes Konzept für den Testbetrieb. Denn augenblicklich befürchten die Unternehmer massive Umsatzverluste ebenso wie erschwerte Rahmenbedingungen. So führte etwa Brigitte Jank aus: Wir haben eine Lieferzeit von sechs bis 14 Uhr gefordert, was abgelehnt wurde. Es ist völlig absurd, die Unternehmer dermaßen zu vergraulen. Immobilienentwickler Jörg F. Bitzer, EHL Asset Management, unterstrich die Bedeutung des Handelsstandorts: Das ist einer der besten und interessantesten Standorte für Handelsunternehmen in Österreich. 

Massive finanzielle Einbußen durch Verkehrsberuhigung 
Jede Maßnahme verkehrlicher Natur kann für die Mariahilfer Straße extrem gefährlich werden, stellte Hannes Lindner von der Standort + Markt Beratungsgesellschaft GmbH in den Raum. Über zwei Millionen Menschen, die im Einzugsgebiet leben, nutzen die Mariahilfer Straße für ihre Einkäufe. Da viele tendenziell einkommensstärkere Konsumenten mit dem PKW auf die Mariahilfer Straße kommen, sollte bedacht werden, dass eine Verkehrs¬beruhigung zu massiven finanziellen Einbußen führen kann, so Lindner. Die Mariahilfer Straße ist mehr als eine Meile Konsum. Sie ist mit etwa 175.200 m² Verkaufsfläche im Einzelhandel und einer Länge von 1.750 Metern, ein Flaggschiff des Wiener Handels, unterstrich Lindner die enorme Bedeutung dieser Einkaufsstraße für den Handel. 

Shared Space und Begegnungszonen sind im urbanen Raum essenziell 
Der Grazer Architekt und Shared-Space-Experte Thomas Pilz präsentierte zahlreiche Beispiele für erfolgreiche Shared-Space-Projekte, so etwa die Bahnhofstraße in Villach und die Annenstraße in Graz. Es ist ein Grundbedürfnis der Menschen, im öffentlichen Raum zusammenzukommen und dort den Austausch zu pflegen. Erst im letzten Jahrhundert begann der Straßenverkehr, den Fußgängern den Raum streitig zu machen. Funktionierende Begegnungszonen zeigen, dass eine Koexistenz aller Verkehrsteilnehmer auf einer gemeinsamen Fläche möglich ist, so Pilz. In Hinblick auf die Mariahilfer Straße bestätigte Pilz den Eindruck der Händler, dass das Pferd hier momentan von hinten aufgezäumt wird: Erst muss man gemeinsam mit allen Stakeholdern überlegen, was mit der Begegnungszone erreicht werden soll erst dann kann man sinnvoll über eine Verkehrslösung sprechen . 

Ruin lokaler Geschäfte in den Städten durch Autos
 
Durch das Auto kommt es zu einem Ruin lokaler Geschäfte in den Städten. Laut der Befragung von Kunden stehen ausreichend viele Parkplätze zur Verfügung. Lediglich seitens der Handelsunternehmen wird ein Mangel empfunden, appellierte Hermann Knoflacher von der Technischen Universität Wien an die Händler. Die Mariahilfer Straße erfüllt die Erfolgsfaktoren einer Einkaufsstraße: Sie bietet ein enormes Angebot an Shops und mit ihren vier U-Bahn-Stationen einen hohen Anteil an öffentlichen Verkehrsmitteln. Wenn jemand zu Fuß bei einem Geschäft vorbei geht, dann muss er keinen Parkplatz suchen, hat einen kurzen Bremsweg und ist umso schneller im Geschäft, stellte Knoflacher die Vorteile der Fußgängerzone mit verkehrsberuhigten Abschnitten dar. Er selbst habe sich immer für eine verkehrsberuhigte Mariahilfer Straße mit Straßenbahn ausgesprochen.